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gekürt 41|09
 
«Ein Hochhaus ist ein Ingenieurbau»

pool Architekten gewinnen zusammen Michael Meier und Marius Hug Architekten den Wettbewerb für zwei Hochhäuser in Baden Nord. Andreas Sonderegger wählt zwei Pläne und eine Visualisierung aus und beantwortet unsere drei Fragen.

Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?

Andreas Sonderegger: Das Projekt erfindet nichts, das Ergebnis ist eher eine Synthese der Aufgabe. Was ist ein Hochhaus? Ein Ingenieurbau: Die Tragstruktur wird zum zentralen Faktor für den Ausdruck der äusseren Erscheinung. Alles Äussere, das nicht dem Lichteinfall dient, trägt an diesem Gebäude. Diese Auffassung der Bauaufgabe «Hochhaus» ist vielleicht nicht typisch für den aktuellen Schweizer Kontext, hat aber Vorbilder – beispielsweise im amerikanischen Hochhausbau der 196oer-Jahre in Chicago.
Die sehr frühe und enge Teamzusammenarbeit der Architekten mit allen Fachplanern ist die logische und in diesem Fall gelebte Fortsetzung dieser Haltung. Die unterschiedlichen Systeme durchdringen sich und bedingen einander gegenseitig. Sie werden synthetisiert zu einem im Grunde genommen recht einfachen, überschaubaren Ganzen.

Wie verhalten sich die Bauten zur Umgebung?

Das ABB-Areal wird von grossen Industriebauten in hoher Dichte geprägt. In Kubatur, Setzung und Materialisierung verstehen sich die beiden identischen Baukörper als Teil dieser Nachbarschaft. Die ausgeräumten sternförmigen Erdgeschosse weiten die knappen lokalen Raumverhältnisse aus und schaffen diagonale Eingangsbeziehungen mit überdachten Vorplätzen.
Im Gegensatz dazu ist der landschaftliche Kontext – die von waldigen Hügelzügen gerahmte «Arena» des Limmattals mit der kleinteiligen Altstadt-Silhouette – feinmassstäblich, die Einpassung der Hochhäuser entsprechend delikat. Die gut 60 Meter hohen Türme sind metallisch-dunkel, um den Kontrast zur grünen Umgebung zu dämpfen, und im Grundriss annähernd quadratisch, um eine eindeutige Ausrichtung und allzu mächtige Ansichten zu vermeiden.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?

Die beiden Hochhäuser sind unübersehbar gross, auf dem Areal stehen sie hingegen in Randlage, und der Nutzer Alstom braucht keine Repräsentationsbauten, also keinen Firmenhauptsitz. Bei dieser Ausgangslage haben im Team die Fragen zur Angemessenheit von Nutzungen, Ausdruck und technischen Mitteln zu langen und für die Lösungsfindung wichtigen Diskussionen geführt. Dass die beiden Türme schliesslich identisch ausgebildet wurden, ist das Ergebnis eines längeren Prozesses. Wir kamen zur Erkenntnis, dass die Unterschiede in Programm und Kontext angesichts der Gemeinsamkeiten zu vernachlässigen sind.

Ivo Bösch
 
hochparterre.wettbewerbe zeigt in der Nummer 5/2009 alle rangierten Projekte dieses Hochhauswettbewerbs. Das Heft erscheint am 17. November 2009.