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gekürt 19|08
 
«Physische Präsenz des Tragwerks»

Christian Penzel gewinnt den Wettbewerb für Sporthallen Weissenstein in Bern. Er wählt zwei Modellbilder und einen Schnitt aus und beantwortet unsere drei Fragen zum Projekt.

Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?

Mehr als um das «Erfinden» dreht sich unsere Arbeit um eine Strukturierung des «Findens». Am Anfang steht zunächst das Freilegen einer möglichen architektonischen Fragestellung aus der Wettbewerbsaufgabe. Bei den Sporthallen war es die Beschäftigung mit dem Motiv der ungleichen Doppelung, die den Ausgangspunkt für den Entwurf bildete: Die Anordnung von zwei an sich identischen Dreifachturnhallen – wobei eine davon mit einer beträchtlichen Zuschaueranlage auszustatten war – zu einem asymmetrischen, verdrehten Stapel. Die Idee bestand dann darin, die Differenzierung des ungleichen Paars mit einem statischen Konzept zu verbinden, das die beiden Hallen zueinander in Beziehung setzt. Zum entwerferischen Mittel wurde neben der Einbettung in die Topografie somit vor allem die räumliche und physische Präsenz des Tragwerks, das wir in einem intensiven Dialog mit dem Ingenieur entwickelt haben: Die Seitenwände der kleineren Trainingshalle sind als überhohe Fachwerkträger ausgebildet, die als Überzug für die weit gespannte, jedoch in «falscher» Längsrichtung verlaufende Rippendecke der Wettkampfhalle wirken.

Wie verhält sich der Bau zur Umgebung?
 
Die Trainingshalle steht verdreht und versetzt über der Wettkampfhalle. Durch diese Verschiebung wirkt sie fast als eigenständiger Baukörper, was die massstäbliche und städtebauliche Integration des nicht unbeträchtlichen Gesamtvolumens in die nähere Umgebung entscheidend erleichtert. Die Wettkampfhalle selbst ist mit der Schnittfigur von Tribünen und abgesenktem Hallenboden in den Terrainverlauf eingeschrieben und mit der ganzen Längsseite zum Vorplatz hin geöffnet. Ihr grosses Dach schliesst niveaugleich an die benachbarten Aussensportanlagen an, womit wir eine zusätzliche, öffentlich bespielbare Fläche anbieten können.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?

Nach der primären Setzung des strukturellen Aufbaus lag die grösste Arbeit zum einen in der Präzisierung der Verhältnisse von Baukörper und Innenraum zu dem umgebenden Terrain und zum anderen in einer möglichst einfachen Umsetzung der zum Teil komplexen programmatischen Anforderungen an eine Wettkampfarena, die nicht nur für professionelle Veranstaltungen, sondern darüber hinaus auch für den Vereins- und Schulbetrieb adäquat zu nutzen sein soll.

Ivo Bösch

Ausstellung von 14.–21.05., Mo–Fr 16–19h, Sa 9–12h, im Attikageschoss der Bümplizstrasse 45 in Bern

hochparterre.wettbewerbe zeigt in der Nummer 3/2008 alle rangierten Projekte. Das Heft erscheint am 16. Juni 2008.