|  | |  | Vermittlungsfragen in Basel – Reto Geiser lud in seiner Serie Standpunkte ein, Bernadette Fülscher erdachte das Thema Architekturvermittlung. Kein Vortrag erwartete die 30 bis 40 Gäste, sondern eine zweistündige Diskussion, angestachelt bloss durch zwei, drei Fragen der Leiterin. Zum Beispiel: Ist es erstrebenswert, wenn der Schreibende einen dezidiert eigenen Standpunkt vertritt? Das Gespräch fand seine eigenen Wege. Die zahlreich anwesenden Schreibenden zeigten Resignation ob der (finanziellen) Situation ihrer Hefte, ihrer Abhängigkeit von den Architekten (Pläne gibt’s nur ohne Kritik) und den Lesern (die nicht mehr lesen, sondern nur noch Bilder schauen – das sei aber nix Neues, sagte der Historiker). Die Architekten wiederum schimpften auf die unkritischen Texte der Schreiber. Mehr Disput! Mehr Kreativität beim Heftmachen! Mehr Mut, auch den Grossen (Architekten, GU) ans Bein zu pinkeln, gaben sie den Schreibern mit auf den Weg zurück nach Zürich. Wenig Mut machten jedoch Anekdoten, wie die des sogenannten Stararchitekten, der sich für den saftigen Verriss seines Hauses bedankte – schlicht weil er ihn wohl gar nicht gelesen hatte. Eines aber zeigte der kurzweilige Abend in Kleinbasel: Eine Diskussion über Architektur und deren Vermittlung ist möglich und nötig. Bitte mehr davon! as |
|  | | | Die Alltäglichkeit der Provokation – wir erinnern uns: Ende 1993 schrieb Vittorio Magnago Lampugnani (VML) in Der Spiegel einen Beitrag mit dem Titel Die Provokation des Alltäglichen. Dieser trat in Deutschland eine heftige Debatte um die «Neue Einfachheit» los, die wiederum zum so genannten Berliner Architekturstreit mutierte. Im Jahr darauf nahm VML einen Ruf an die ETH wahr und verliess die Direktion des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt – man könnte meinen folgerichtig, denn viele seiner gebauten Vorbilder standen in der Schweiz. Wie zum fünfzehnjährigen Jubiläum schreibt nun der Professor für Geschichte des Städtebaus in der NZZ vom 03.02. einen Beitrag zu Bescheidene Häuser statt spektakuläre Bauskulpturen – Plädoyer für eine auf das Wesentliche ausgerichtete Architektur, ein Vortrag, den er an der Karlsruher Tagung 100 Jahre Werkbund hielt. Die Botschaft ist dieselbe wie einst, auch der Bezug auf die Baugeschichte, von der Renaissance bis zur Moderne. Was sich geändert hat, ist von VML verstärktem Gebrauch aber auch die Wirkung von Worten wie «Energieverbrauch» oder «nachhaltig». Damals schrieb er, die Architektur müsse «von den Festen der Geschwätzigkeit und den Orgien des Tiefsinns» Abschied nehmen, die praktische Vernunft wieder zu ihrer Richtschnur machen und «dem Ernst der historischen Situation mit Rigorosität entsprechen». Liest man das heute, so denkt man sich: Die Situation ist alles andere als besser, die «architektonischen Allüren und Häresien» (VML 2008) dafür umso schriller. Eine Meinung wie diejenige Lampugnanis müsste heute ungleich heftiger einschlagen, doch die Provokation bleibt aus: Leser-Kommentare zum Artikel finden sich auf der NZZ-Website keine. Komisch, oder? as |
Bild: Bob Stuart/sublimephotography.co.uk |  | |  Hier wohnen keine Intellektuellen wie in der Unité: Robin Hood Gardens in London | Brutales in Gefahr I – mit den Robin Hood Gardens (1966–72) im Londoner East-End konnten Alison und Peter Smithson ihr Postulat einer Street in the air erstmals verwirklichen. Die Anlage mäandert durch ein bestehendes Wohngebiet und umschliesst einen Park mit Hügeln. Zwar geriet das Projekt seinerzeit zu einem Fiasko – viele der 213 Wohnungen waren feucht, die Anlage wurde zum sozialen Brennpunkt und beschädigte den Ruf ihrer Architekten. Heute ist Robin Hood Gardens – zumindest unter Kollegen – rehabilitiert und fester Programmpunkt jeder Brutalismus-Exkursion. Für Richard Rogers ist es gar «one of the greatest modern buildings in Britain». Nun berät English Heritage darüber, ob es die zwei lang gestreckten, zehn- und siebengeschossigen Zeilen der Kulturministerin Margaret Hodge für die Liste geschützer Bauwerke empfehlen soll. Der Eigentümer der Überbauung, der Tower Hamlets Council, möchte sie abreissen, da eine Sanierung angeblich zu teuer käme. Das Onlinemagazin Building Design setzt sich für die Unterschutzstellung ein. Infos und Petition zum Unterschreiben HIER. Und hier noch ein lesenswerter Artikel aus The Observer. as |
|  | |  Ein Dinosaurier inmitten geschniegelter Idylle: Pimlico School, London | Brutales in Gefahr II – aber auch weniger berühmte Bauten sind bedroht, so zum Beispiel die Pimlico School, die fast zur gleichen Zeit wie Robin Hood Gardens von der Architekturabteilung des Greater London Council unter John Bancroft geplant wurde. Wie ein Dinosaurier aus Beton sitzt sie zwischen den teuren, weiss verputzten historischen Stadthäusern und provoziert all jene, deren Wunsch mittelmässiger Einheitlichkeit und vermeintlicher Eindeutigkeit allzu gross ist. Auch das Kulturministerium ist davon nicht frei, hat es doch den schon vor Jahren von English Heritage befürworteten Denkmalschutz abgelehnt. Unabhängig davon hat das Architekturbüro Hawkins Brown kürzlich im Auftrag der zuständigen Verwaltung eine Studie vorgelegt, die nachweist, dass die Sanierung der Schule nachhaltig und der Option Abriss und Neubau vorzuziehen sei. Die aktuelle Neuplanung sieht nicht mehr als eine bedeutungslose Kiste vor, die versucht, sich der Umgebung anzupassen, ohne allerdings deren Qualität zu erreichen. Die Commisson for Architecture and the Built Environment (CABE) hat sie bereits als «nicht gut genug» und «für eine Schule ungeeignet» beurteilt. Der Neubau soll dadurch finanziert werden, dass auf einem Teil des Grundstücks Wohnungen für den freien Markt gebaut werden. Zum Abriss zugunsten eines störungsfreien Gesamtbilds einer wohlhabenden conservation area scheinen die Verantwortlichen entschlossen und ignorieren dafür selbst die von ihnen beauftragten Experten. Also, hinfahren bevor es zu spät ist! Maren Harnack |
|  | | | Die Schönsten der Schweiz – der Wettbewerb Die Schönsten Schweizer Bücher 2007 des Bundesamtes für Kultur BAK ist entschieden. Die fünfköpfige Jury hat 27 Bücher prämiert. Darunter sind zum Beispiel:
Arosa – Die Moderne in den Bergen, Marcel Just, Christof Kübler, Matthias Noell und Renzo Semadeni (Hg.), gta Verlag, Zürich, Gestaltung: Prill & Vieceli, Zürich
Freibad Letzigraben. Von Max Frisch und Gustav Ammann, Ulrich Binder und Pierre Geering (Hg.), NZZ Libro, Zürich, Gestaltung: Bonbon/Philippe Desarzens, Zürich
Projekt Vitra. Orte, Produkte, Autoren, Museum, Sammlungen, Zeichen; Chronik, Glossar, Cornel Windlin und Rolf Fehlbaum (Hg.), Birkhäuser Verlag AG , Basel, Gestaltung: Cornel Windlin, Zürich Wouldn't it be nice... Centre d'Art Contemporain Genève, JRP | Ringier Kunstverlag AG, Zürich, Gestaltung: Graphic Thought Facility, London Vitra. The Home Collection 2007/08, Verlag: Vitra AG, Birsfelden, Gestaltung: Cornel Windlin, Zürich
Dem letzten Buch wurde ausserdem eine Bronzemedaille am Wettbewerb Schönste Bücher aus aller Welt in Leipzig verliehen. Wir gratulieren allen Preisträgern! as |
Film: architekturclips.de/Plassmann, Schmidt |  | |  Hier steht die Skulptur noch... | Film der Woche – Orkan Emma forderte ein filigranes Opfer: die aus Holz gezimmerte Spirale des Künstlers Kai Schiemenz im Skulpturenpark Berlin Mitte. Schade drum, wie der Film zeigt. Viel Spass beim Schauen wünscht as. |
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